Kooperierender Mittelstand in Deutschland
Herausforderndes erstes Halbjahr 2026
Berlin. Die wirtschaftliche Lage im kooperierenden Mittelstand bleibt im ersten Halbjahr 2026 deutlich angespannt: Neben anhaltenden Umsatz- und Ertragsrückgängen beobachtet der Bundesverband Kooperierender Mittelstand (BKM) eine breite Skepsis der Unternehmen gegenüber der aktuellen Wirtschaftspolitik. Dies geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage unter den Mitgliedern des BKM zum ersten Halbjahr 2026 hervor.
Laut der Erhebung sind 87% der befragten Verbundgruppen wenig oder überhaupt nicht zuversichtlich, dass die angekündigten Reformen zu Bereichen wie Steuern, Sozialabgaben und Arbeitsmarkt der schwarz-roten Bundesregierung zeitnah und wirksam umgesetzt werden. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen sehen zudem 86% der Befragten derzeit selbstständiges Unternehmertum als überhaupt nicht oder kaum attraktiv.
Günter Althaus, Präsident des BKM, sagt: „Die aktuellen Umfrageergebnisse sind ein klares Signal, dass wir eine wirtschaftspolitische Kehrtwende brauchen. Wenn der Glaube an die politische Reformkraft schwindet und das Unternehmertum an Attraktivität verliert, ist die Substanz unseres Wirtschaftsstandorts bedroht. Der Mittelstand benötigt jetzt keine punktuellen Kompromisse, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und eine spürbare, strukturelle Entlastung in der Breite – insbesondere bei der Bürokratie und den Energiekosten. Nur durch entschlossenes und zügiges Handeln der Bundesregierung gewinnen die Unternehmen die nötige Planungssicherheit zurück.“
Jeweils die Hälfte der befragten Verbundgruppenzentralen berichtet für das erste Halbjahr 2026 von rückläufigen Umsätzen (50%) und einer verschlechterten Ertragslage (50%). Auch die Erwartungen für die zweite Jahreshälfte sind von Zurückhaltung geprägt. So stellen sich 48% der Kooperationen auf sinkende Umsätze ein, während 41% mit weiteren Ertragsrückgängen rechnen. Diese Entwicklung wirkt sich zunehmend auf die angeschlossenen mittelständischen Betriebe („Anschlusshäuser“) aus. Mehr als die Hälfte der Verbundgruppen (52%) registriert bei ihren Mitgliedern eine rückläufige wirtschaftliche Entwicklung. Bei 44% schrumpft in der Folge bereits die Zahl der Anschlusshäuser.
Als primäre Ursachen für die Wachstumsbremsen identifizieren die Unternehmen vor allem strukturelle Rahmenbedingungen. Hierbei werden administrative und finanzielle Belastungen als größte Probleme benannt: Für mehr als die Hälfte der Unternehmen gehört die hohe Bürokratielast (55%) zu den zwei am höchsten priorisierten Hemmnissen. Direkt dahinter folgen die hohen Energiekosten (51%) sowie die übermäßige Steuer- und Abgabenlast (38%) auf den Plätzen eins und zwei der Regierungsaufgaben.
Die Zwischenbilanz mehr als ein Jahr nach dem Antritt der schwarz-roten Bundesregierung fällt in den Unternehmen zurückhaltend aus. Fast die Hälfte der Befragten (45%) nimmt eher eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen wahr, während 47% keine Veränderung feststellen. Lediglich 6% sehen bislang eine Verbesserung.
An der BKM-Konjunkturumfrage für das erste Halbjahr 2026 beteiligten sich 53 Verbundgruppenzentralen mit rund 50.000 angeschlossenen Unternehmen aus einem breiten Branchenspektrum.