VDM-Pressekonferenz zur imm cologne
Branche setzt auf „Made in Germany“

Foto: VDM

Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, erklärte heute anlässlich der Pressekonferenz zur imm cologne in Köln, dass die deutsche Möbelindustrie ein leichtes Plus in 2020 erwartet und dass die Branche auf die Karte „Made in Germany“ setzen will.

„Wir liegen heute bei 17,7 Mrd. Euro Umsatz in 477 Betrieben und mit 85.000 Beschäftigen“, so Jan Kurth. Im zurückliegenden Jahrzehnt habe sich die Branche zwar deutlich konsolidiert, im internationalen Wettbewerb aber an Boden gewonnen hat. „Auch wenn es oft nicht so wahrgenommen wird, geht es der Möbelindustrie in unserem Land nach wie vor mehrheitlich gut und unsere Unternehmen sind deutlich professioneller und zukunftssicherer aufgestellt als noch vor 10 Jahren.“

Der Blick in die nahe Zukunft zeige, dass die Deutschen durchaus Lust auf das Thema Wohnen und Einrichten verspüren. Dies werde auch aus der repräsentativen Befragung deutlich, die das Marktforschungsinstitut TNS Kantar in Deutschland durchgeführt hat. Demnach plane immerhin knapp ein Viertel aller Deutschen – und damit knapp 19 Millionen Menschen in 9,3 Millionen Haushalten – im Jahr 2020 die Anschaffung neuer Möbel.  Die durchschnittliche Ausgabenbereitschaft 2020 für Möbel betrage 2.581 Euro pro Haushalt. Gerade bei jungen Leuten sei die Lust auf neue Möbel besonders spürbar: So planen 40,5% der Bevölkerung zwischen 14 und 29 Jahren neue Möbel zu kaufen. Ebenso planen einen Neukauf 31,5% der 30 bis 39-jährigen Bevölkerung. Von den über 60-jährigen planen dies nur 12,5%.

„Made in Germany“ rückt in den Fokus

„Wir gehen mit realistischem Optimismus in das neue Jahrzehnt und gehen für 2020 von einem leichten Umsatzplus von ca. einem Prozent aus. Im Inland müssen wir mit aller Kraft das Thema ‚Made in Germany’ in den Vordergrund rücken und die Verbraucher auf unsere exzellente Qualität und den erstklassigen Service aufmerksam machen“, so Kurth weiter. „Die Themenpalette Nachhaltigkeit, Klimaverträglichkeit und der Trend zur Regionalität müssen wir stärker spielen und für unsere Hersteller nutzen, da diese Themen wachsende Bedeutung bei den Endverbrauchern in ihrer Kaufentscheidung gewinnen.“

Exportquote entwickelt sich positiv

Die aktuelle Entwicklung der Auslandsmärkte stimme die Branche ebenfalls positiv. In den ersten zehn Monaten 2019 gingen 32,8% der in Deutschland produzierten Möbel direkt ins Ausland. Dies sei die höchste jemals gemessene Exportquote. Um die Jahrtausendwende betrug sie noch vergleichsweise magere 16,3% – ihr kontinuierlicher Anstieg sei ein eindrucksvoller Beleg für die hohe internationale Wertschätzung deutscher Möbel.

„Insgesamt stiegen die Ausfuhren unserer Hersteller im Jahresverlauf 2019 um 2,1% . Die meisten großen außereuropäischen Märkte liegen derzeit im Plus. Allein die Möbelausfuhren in die USA konnten von Januar bis Oktober 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 15,1% gesteigert werden“, bilanzierte Kurth. Der Absatz deutscher Möbel in Russland erhöhte sich nach längerer Schwächephase 2019 das dritte Jahr in Folge um aktuell 18,8%. Andere wichtige Wachstumsmärkte wie Japan, Kanada und Südkorea profitieren von den jüngsten Freihandelsabkommen mit der EU und wiesen ebenfalls positive Vorzeichen auf.  Lediglich China als Wachstumsmarkt der vergangenen Jahre fiel im vergangenen Jahr um 22,3% zurück. 

Auch innerhalb der EU zog die Möbelnachfrage in 2019 im Vergleich zu 2018 deutlich an. Frankreich konnte sich als wichtigster Absatzmarkt für Möbel „Made in Germany“ behaupten, die deutschen Möbelausfuhren legten um 6,8 % zu. Auch andere europäische Märkte wie die Schweiz, Belgien, Polen, Italien und Schweden entwickelten sich positiv. Bremsspuren erzeugt hingegen vor allem der Brexit: Die deutschen Möbelexporte über den Ärmelkanal reduzierten sich das dritte Jahr in Folge um aktuell 3,2% auf jetzt knapp 700 Mio. Euro. Damit belegt UK aber immer noch Platz fünf im Ranking der wichtigsten Exportmärkte.

Heimischer Markt bleibt am wichtigsten

Dennoch bleibe der heimische Markt mit zwei von drei abgesetzten Möbeln auch im Jahr 2020 der mit Abstand wichtigste Markt für die deutschen Möbelhersteller, so Kurth. „Das Jahr 2019 bescherte der deutschen Möbelindustrie eine Seitwärtsbewegung und wird mit einem geringfügigen Umsatzminus in Höhe von rund einem halben Prozent abschließen. Nach zehn Monaten – also bis einschließlich Ende Oktober – weist die Branchenstatistik nun ein leicht negatives Ergebnis von 0,4% mit einem Gesamtumsatz von knapp 14,9 Mrd. Euro aus. Für das Gesamtjahr 2019 rechnen wir mit einem Umsatz von rund 18 Mrd. Euro.“

Deutlich zulegen konnten erneut die Küchenhersteller mit einem Umsatzanstieg von 2,8% auf über 4,2 Mrd. Euro bis einschließlich Oktober. Dieser Effekt sei vor allem auf die sehr gute Auslandsnachfrage mit einem Plus von 5,9% im Vergleich zum Vorjahr zurückzuführen. Der Inlandsmarkt entwickelte sich mit einem Plus von 0,7%. Aufgrund des branchenintern gemessenen Auftragseingangs von plus 5,1% bis Ende Oktober wird auch das Gesamtjahr 2019 entsprechend positiv abschließen. 

Für die Polstermöbelindustrie weist die amtliche Statistik, die ausschließlich die Entwicklung an den deutschen Produktionsstandorten erfasst, einen Umsatzrückgang um 0,5% auf rund 760 Mio. Euro aus. Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten im Ausland verzeichneten hingegen einen Anstieg des Auftragseingangs bis Ende Oktober um rund 4%.

Insgesamt umfasste die Branche 2019 im Durchschnitt 477 Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten (-0,8 %). Die Zahl der Beschäftigten blieb mit 84.533 Mitarbeiterinnen + Mitarbeitern stabil.

„Einfach nur Möbel verkaufen reicht heute nicht mehr“, so Kurth. „Gefragt sind Einrichtungskonzepte und Atmosphäre. Wie so etwas stilsicher und intelligent präsentiert werden kann, sehen wir eindrucksvoll in den kommenden Tagen auf der imm cologne 2020. 


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